Mehr als 700 Start-ups und Scale-ups im Bereich Digital Health gibt es in Berlin-Brandenburg, zu diesem Ergebnis kommt die Bestandsaufnahme von HealthCapital zum Digital Health Ökosystem in der Region. Eine beachtliche Zahl, die nicht von alleine kommt. Welche Voraussetzungen die Region für Neugründungen im Bereich Digital Health bietet und warum es damit so gut funktioniert, darüber haben wir mit Tim Huse gesprochen. Er leitet den BIH Digital Health Accelerator vom Berlin Institute of Health at Charité und hat viele Start-ups auf ihrem Weg aus der Forschung in den Markt begleitet.
In der Region Berlin-Brandenburg treffen mehrere entscheidende Erfolgsfaktoren für die Entstehung neuer Digital-Health-Unternehmen aufeinander: Fundierte Grundlagen, qualifizierte Talente, umfassende Finanzierungsmöglichkeiten und ein unterstützendes Ökosystem. Zu den Grundlagen zählen innovative Ideen und zukunftsweisende Technologien, die aus international renommierten Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen – darunter zwei Universitätskliniken – hervorgehen. Diese Einrichtungen bieten gemeinsam mit erfahrenen UnternehmerInnen aus den Bereichen E-Commerce und FinTech einen starken Talentpool an GründerInnen und hochqualifizierten MitarbeiterInnen.
Darüber hinaus weist der Cluster eine hohe Dichte an erfahrenen Finanz- und strategischen Investoren auf. Das Ökosystem umfasst zudem wichtige Akteure im Gesundheitsbereich für Know-how, klinische Studien, Pilotprojekte und als potenzielle Kunden, darunter Kliniken und niedergelassene MedizinerInnen, Krankenkassen sowie Pharma- und Medizintechnikunternehmen. Hinzu kommen engagierte Aktivitäten der Bundes- und Landespolitik sowie zahlreiche Angebote für die Vernetzung und Unterstützung neuer Unternehmen. Kurz gesagt: Die Region Berlin-Brandenburg ist auch im Bereich Digital Health ein internationaler Start-up-Hotspot.
Die Mission des BIH ist die medizinische Translation. Das BIH Digital Health Accelerator (DHA)-Programm ist das erste klinikinterne Translationsprogramm seiner Art in Deutschland und darüber hinaus. Konkret unterstützen wir InnovatorInnen aus Forschung und Klinik – auch in Kooperationsprojekten mit anderen Einrichtungen – bei der Entwicklung von zumeist regulierten Digital Health-Lösungen, zum Beispiel klinischen Entscheidungsunterstützungssystemen, in-silico und in-vitro Diagnostika, digitalen Therapeutika sowie Industrielösungen, basierend auf digitalen Technologien wie Künstlicher Intelligenz, Sensorik, Bioprinting, und Augmented/Virtual Reality. Durch dieses Setup beruhen entstehende Lösungen auf einem tiefen medizinischen Problemverständnis, werden direkt im klinischen Kontext von und mit AnwenderInnen entwickelt und klinisch validiert.
Ziel ist der Transfer in den Gesundheitsmarkt und zu PatientInnen durch Ausgründung oder Lizenz. Dazu bieten wir ein strukturiertes Produktentwicklungsprogramm, Fördermittel, Protected Time für klinisch Tätige, Expert-Mentoring u.a. in Kooperation mit der Start2 Group, Zugang zu Talenten, Industrie und Investoren sowie ein interdisziplinäres Arbeitsumfeld im BIH Digital Labs Coworking Space am Charité Campus Mitte. Zehn Unternehmen sind bereits entstanden und weitere erwarten wir noch in diesem Jahr.
Ausgangpunkte der Projekte waren jeweils herausragende Persönlichkeiten, die exzellente klinische Forschung mit medizinischer Expertise und technologischem Know-how verbinden – und dann eben eine zündende Idee zur Adressierung eines relevanten medizinischen Bedarfs hatten sowie ein hohes Maß an Unternehmergeist. Hinzu kamen unterstützende Einrichtungsleitungen, wie hier in der Herzchirurgie und in der Pathologie, die die Entwicklungsprojekte nicht hinter Forschung und Versorgung anstellten. Dieser Ansatz hat sich im BIH DHA-Programm bewährt und schafft kontinuierlich steigende Anerkennung des Wertbeitrags von Entrepreneurship in der Medizin. Ein weiterer Schlüsselfaktor war und ist die enge Kooperation mit anderen Einrichtungen, bei den angesprochenen Beispielen etwa mit der TU Berlin und dem BIFOLD, bei anderen Projekten zum Beispiel auch mit der HU Berlin, der FU Berlin und dem HPI in Potsdam. Der Schlüsselfaktor für die eigentlichen Ausgründungen war und ist die hervorragende Zusammenarbeit mit Wagniskapitalgebern wie der IBB Ventures und dem HTGF.
Aus meiner Sicht profitiert das Digital Health- und allgemein das Gesundheits-Ökosystem der Region inklusive Charité/BIH stark von der Arbeit des Clusters HealthCapital, und dies auf zwei Ebenen: Regional als vernetzender, aber auch inhaltlich tätiger Akteur für einen engen Austausch von Politik, Wirtschaft und Forschung zur gemeinsamen Weiterentwicklung der Region. Zudem als Ansprechpartner für internationale Unternehmen inklusive Start-ups für Ansiedlung, Fachkräftegewinnung und Fördermittel- bzw. Finanzierungsberatung. Auf Bundesebene und international repräsentiert HealthCapital zudem die Region mit ihren Akteuren, sei es bei Delegationsbesuchen oder auf Leitmessen, und trägt so maßgeblich auch zur Markenbildung der Region als international sichtbares Digital Health-Ökosystem bei. Zusammengefasst ist die Tätigkeit des Clusters HealthCapital überaus gewinnbringend für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg.
Das Interview führten die Cluster-Kollegen von HealthCapital Berlin-Brandenburg.
Quelle: Interview Tim Huse mit HealthCapital Berlin-Brandenburg, 10. Juli 2024
Die Hauptstadtregion hat sich dank der engen Zusammenarbeit zwischen führenden Global Playern, renommierten Wissenschaftlern, erstklassigen Kliniken und einer innovativen Startup-Community zu einem weltweit führenden Standort für Healthcare und Life Sciences entwickelt. Interdisziplinäre Netzwerke, hochspezialisierte Fachkräfte, Technologietransfer und disruptive Technologien spielen dabei eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in innovative Produkte für den globalen Gesundheitsmarkt.
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