Immobilienentwicklung am BER: Interview mit Thomas Doll, Geschäftsführender Gesellschafter der TREUCON Real Estate GmbH

@ Heuer Dialog GmbH

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Viele Faktoren sorgen für einen Bauboom im Berliner Südraum. Auch die geplante Eröffnung des BER trägt zu einer starken Entwicklungsdynamik bei, die sich auf Segmente des Immobilienmarktes auswirkt.
Thomas Doll ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der TREUCON Gruppe Berlin. Sein Unternehmen investiert kräftig am BER. Angela Rüter, Geschäftsführerin Heuer Dialog, hat ihn zu seiner Einschätzung gefragt:

Angela Rüter: Auf dem Gelände des neuen Hauptstadtflughafens sollen Büros, Coworking-Spaces, Kongress-Räumlichkeiten und Gastronomie entstehen - ein lukratives Geschäft für die Immobilienbranche?

Thomas Doll: Wenn Sie mir diese Frage vor der Covid-19 Epidemie im IV. Quartal 2019 gestellt hätten, wäre meine Antwort sicherlich sehr euphorisch gewesen, 7 Monate später muss man dieses Thema etwas differenzierter betrachten. Alles in allem werden aber vom internationalen Großflughafen BER die erforderlichen positiven Impulse für die Immobilienwirtschaft ausgehen. Sie sehen aber auch und gerade in der Covid-19 Folgen Diskussion, wie anfällig zum Beispiel das Thema Coworking-Spaces in der Zukunft betrachtet wird. Größere Kongresse finden noch über Monate nicht statt und auch die Gastronomie auch an den großen internationalen Flughäfen ist nahezu zum Erliegen gekommen. Ich war kürzlich in München und es war erschreckend zu sehen, was gähnende Leere bedeutet an einem Lufthansa Drehkreuz, das ja auf Kapazitäten von ca. 50-60 Mio. Fluggästen im Jahr ausgelegt ist. Im Mai 2019 flogen noch 4,3 Mio. Passagiere von München, im Mai 2020 waren es ganze 39.000. Sie sehen, welche Risiken das eben auch für Betreiber von komplexen Flughafen-Immobilien mit sich bringt. Das ist die Lehre aus Covid-19.

Angela Rüter: Am Flughafen BER könnten 60.000 Arbeitsplätze entstehen. Wie realistisch ist das?

Thomas Doll: Der BER und das Flughafen-Umfeld sind auch in den vergangenen 10-15 Jahren stetig gewachsen. Mit dazu beigetragen haben die Fluggesellschaften selbst und insbesondere die Sparte Lufthansa Technik. Man darf aber auch Rolls-Royce in Dahlewitz nicht vergessen oder DAIMLER in Ludwigsfelde. Auch das ist das Flughafen-Umfeld. Mit TESLA kommt nun ein neuer inter-nationaler Player hinzu, auf den die Metropolregion Berlin/Brandenburg und insbesondere das Land Brandenburg sehr stolz sein kann. Man sieht, wozu eine sinnvolle Ansiedlungspolitik in der Lage sein kann, wenn die Politiker auch bereit sind, die richtigen Weichen zu stellen. Das ist durch den Regierungswechsel nun im Land Brandenburg möglich und ich würde prophezeien, dass der wirtschaftliche Verflechtungsraum rund um den BER diese Zahlen bei den Arbeitsplätzen bis 2030 auch ermöglichen wird. Auch hier verweise ich gern auf die Vergleichbarkeit bei der Entwicklung rund um das Erdinger Moos am Flughafen München. Seit der Schließung von München-Riem ist die Entwicklung der sog. „Achse Nord“ zwischen Schwabing und Erding beispielhaft.

Angela Rüter: Entstehen am BER „hochwertige, urban geprägte nachhaltiges Quartiere“, wir Flughafenchef Lütke-Daldrup es sich wünscht?

Thomas Doll: Ich kenne Herrn Prof. Dr. Lütke-Daldrup seit 2012 als er noch Staatssekretär in der Landesregierung in Berlin gewesen ist. Wir haben es ja in Berlin seit 1994 immer wieder als Projektentwickler bewiesen, dass urbane und lebenswerte Quartiere keine Qualitätseinbußen hinnehmen müssen und unsererseits dennoch überwiegend im bezahlbaren Wohnen errichtet werden. Wir haben mit dem Wohnquartier „Am Lückefeld“ unser erstes größeres Wohnungsbauprojekt mit insgesamt 126 Wohnungen in 9 Stadtvillen realisiert. Uns kam darauf an, dass wir die Nähe zum BER mit einem Maximum an Wohnqualität verbinden können. Dazu gehört auch der moderne Schallschutz, für den die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg den Projektentwicklern auch entsprechende Förderprogramme ans Herz legt. Wir würden gern noch weitere Bauvorhaben rund um den BER realisieren, das Nadelöhr sind ähnlich wie in Berlin erschlossene Baugrundstücke zu vernünftigen und angemessenen Preisen. Das fehlt.

Angela Rüter: Idee und Konzept und nicht nur der Preis spielen bei der Vergabe eine Rolle. Der richtige Weg am BER?

Thomas Doll: Als Wohnprojektentwickler haben wir uns in erster Linie mit dem Quartiers-Konzept an sich zu beschäftigen. Wohnen ist ja heute mehr als die Unterbringung einer Familie in einer Drei- oder Vierzimmerwohnung. Es spielt der ÖPNV eine größere Rolle als früher, wo sind Kindergärten, Schulen und weitere infrastrukturelle Versorgungseinrichtungen. In Blankefelde-Mahlow am BER hat die Gemeinde dies alles in den letzten 30 Jahren seit der Wende in hervorragender Art und Weise auf den Weg gebracht. Fast alle Gemeinden rund um den BER sind Boomtown-Regionen geworden. Die Einwohnerzahlen haben sich seit den 90-er Jahren oft verdoppelt. Das bringt Chancen mit sich, aber auch Risiken. Die behutsame Ausweisung neuer Bebauungsgebiete schafft die Voraussetzungen für ein Chancen orientiertes Wachstum.

Dass der BER bis 2050 zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsregionen in Europa gehören wird – daran besteht aus meiner Sicht kein Zweifel und daran ändert auch das Thema Covid-19 nichts mehr. Und irgendwann wird es auch die allseits heiß begehrten direkten Transatlantikverbindungen nach Amerika oder nach Asien geben. Ich vertraue darauf, dass die Lufthansa zukünftig auch hier die Potentiale besser nutzen wird als in der Vergangenheit, weil dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich gewesen ist. Es reicht eben nicht aus, einen A380 mit 600 Menschen zu füllen, wenn diese Gruppe für 470 EUR interkontinental fliegen möchte. Es braucht viele Geschäftsreisende, es braucht einen vollen Frachtraum und es braucht eben auch eine volle First- und Business Class. All das ist ab BER in 2020 noch nicht gegeben. Aber auch hier wird sich in Zukunft noch viel ändern. Die gerade aus Steuergeldern gerettete Lufthansa wird sich dieser Region mit 4-5 Millionen Menschen im Umfeld des BER nicht entziehen können. Sonst wird dieses Geschäft von anderen Fluggesellschaften bedient und das wäre ein falsches Signal. Insofern vertraue ich wie immer den Kräften der freien sozialen Marktwirtschaft.


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Frauke Jahn
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